Pressemitteilung des VDL Hessen vom 15.08.2017 zur Thematik „A 13 für Grundschullehrkräfte“

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

bitte beachten Sie die aktuelle Pressemitteilung des VDL Hessen.

„Universitäre Ausbildung anpassen und Arbeitsbedingungen für Grundschullehrkräfte verbessern – ein Plädoyer für mehr Wertschätzung“

„Die Grundschullehrerinnen und –lehrer in Hessen leisten einen großartigen Job“, erklärt der Landesvorsitzende Jörg Leinberger. „Ständig steigen die Anforderungen im Lehrerberuf, die Heterogenität der Schüler nimmt ebenso zu wie die Verwaltungsarbeit. Eltern kann man nur noch schwer für die schulische beziehungsweise die eigentliche Erziehungsarbeit gewinnen.“ Leinberger erläutert weiter, dass Ganztagsschulen, Inklusion und Integration von Quereinsteigern / Flüchtlingen den Lehrkräften Kompetenzen ab verlangen, die in der bisherigen universitären Ausbildung von Grundschullehrkräften nicht in ausreichendem Maße vermittelt wurden.

Der VDL Hessen sieht daher als wichtigste Aufgabe die Umstellung der Universitätsausbildung für Grundschullehrkräfte, um auf die veränderte schulische Realität zu reagieren und die Studierenden auf die Herausforderungen der Lehrtätigkeit angemessen vorzubereiten. „Mit einer sinnvollen Anpassung bzw. Verlängerung der Studieninhalte und der Studienzeit ist dann automatisch auf der Grundlage des aktuellen Beamtenrechts die Vergleichbarkeit mit anderen Lehramtsabschlüssen sowie die Einstufung in die Besoldungsgruppe A 13 gegeben“, resümiert der Landesvorsitzende. „Zur Erhöhung der Attraktivität dieses so wichtigen Berufes, dessen Bedeutung für den Bildungsstandort Deutschland gar nicht überschätzt werden kann, reicht es meines Erachtens nämlich nicht, nur medienwirksam nach mehr Gehalt zu rufen.“

Nach einer Veränderung der universitäre Ausbildung sollte dann die Landesregierung allen bereits verbeamteten Grundschullehrkräfte, die nachweislich schon seit Jahren im Spannungsfeld Grundschule großartige Arbeit leisten, die Möglichkeit eröffnen, ebenfalls in die Besoldungsstufe A 13 zu gelangen. Dies könnte durch die Option einer Erweiterungsprüfung mit schriftlicher Hausarbeit erfolgen. „Eine solche Möglichkeit wurde vor Jahrzehnten seitens der Landesregierung für die hessischen Hauptschullehrkräfte angeboten. Durch eine Wiederauflage des Angebots könnte man einer Ungleichbehandlung entgegengehen“, meint der stellvertretende Landesvorsitzende, Tobias Jost.

Neben der notwendigen Verbesserung der Lehrerausbildung und der damit einhergehenden Vergütung sind nach Auffassung des VDL Hessen weitere Schritte dringend erforderlich:

Zum ersten muss den gestiegenen inhaltlichen Anforderungen an Grundschullehrkräfte durch eine deutliche Reduktion der Pflichtstunden Rechnung getragen werden. Die Verpflichtung zu 29 Pflichtstunden pro Woche ohne Deputate zur Koordination mit Fachdiensten (überregionale und regionale Beratungs- und Förderzentren, Einrichtungen der Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie, etc.), zur Erstellung und Abstimmung von Hilfe- und Förderplänen sowie der umfangreichen Elternarbeit ist deutlich zu hoch und wenig wertschätzend für die geleistete Arbeit mit der heterogensten Lerngruppe im Schulsystem.

Ferner müssen Grundschulleiterinnen und –leiter sowie deren Stellvertreter für die umfangreiche Verwaltungsarbeit, die sie leisten, durch angemessene Deputate entlastet werden. Die derzeitigen Sockeldeputate werden den umfassenden Aufgaben, die auch an kleinen Schulen immer mehr werden, schon lange nicht mehr gerecht.

Schließlich ist es notwendig, die Schulleitungen durch eine umfangreiche, stundenmäßige Erhöhung der Verträge von Verwaltungsangestellten / Schulsekretariatsstellen zu entlasten. Die Anzahl der für die Sekretariate vorgesehenen Stunden ist so knapp bemessen oder auf so viele Schulen verteilt, dass die Schulleitung und die Lehrkräfte neben ihrer eigentlichen Aufgabe – möglicherweise auch noch außerhalb der regulären Wochenarbeitszeit – noch solche Verwaltungsaufgaben übernehmen müssen, die sehr viel effizienter durch entsprechende Fachkräfte geleistet werden könnten.

Der VDL Hessen fordert daher ein angemessenes Gesamtpaket zur Unterstützung und Aufwertung der Grundschularbeit. In den Grundschulen wird die Basis gelegt für den Erfolg der Bildungskarrieren aller Schülerinnen und Schüler in Hessen. „Jeder Euro, der hier investiert wird, ist gut angelegtes Geld, das seine Rendite in Form von besseren Bildungsabschlüssen und damit von qualifizierteren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in sich trägt“, schließt der Landesvorsitzende Leinberger.

 

Pressesprecherin:                  Kerstin Jonas

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