Trotz zahlreicher Hinweise und Einwände der Gewerkschaften und Verbände hält die Landesregierung an ihrem Vorhaben fest und lässt die Bedenken von Berufsverbänden, Eltern- sowie Schülerinnen- und Schülervertretungen weitgehend unberücksichtigt.
Künftig sollen Lehrkräfte erst ab dem 60. Lebensjahr eine Entlastung bei den Pflichtstunden erhalten. Bislang setzt die erste Stufe der Altersermäßigung bereits mit 55 Jahren ein. Diese Änderung bedeutet eine erhebliche Mehrbelastung für erfahrene Lehrkräfte und sendet das falsche Signal an die Beschäftigten an Hessens Schulen.
Der vrb hessen sieht in der Entscheidung eine verpasste Chance, die Attraktivität des Lehrkräfteberufs nachhaltig zu stärken. Gerade ältere Lehrkräfte leisten mit ihrer Erfahrung einen unverzichtbaren Beitrag zur Qualität von Unterricht und Schulentwicklung. Angesichts steigender Anforderungen und wachsender Belastungen ist eine angemessene Entlastung notwendig, um die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Kolleginnen und Kollegen langfristig zu erhalten.
„Wer den Lehrkräftemangel wirksam bekämpfen will, muss die Arbeitsbedingungen verbessern, statt zusätzliche Belastungen zu schaffen. Die Verschlechterung der Altersermäßigung steht diesem Ziel entgegen und wird die Gewinnung sowie den Verbleib qualifizierter Lehrkräfte im Schuldienst weiter erschweren“, erklärt der Landesvorsitzende Claus Eschenauer.
Besonders kritisch bewertet der Verband, dass die Änderungen bereits zum kommenden Schuljahr wirksam werden. Damit erhöht sich die Arbeitsbelastung vieler Lehrkräfte in einer Zeit, in der die Schulen ohnehin vor großen Herausforderungen stehen.
Der vrb hessen bedauert zudem, dass die Landesregierung in Bezug auf eine zukunftsfähige Bildungspolitik nicht wirklich den Dialog mit denjenigen sucht, die Schule täglich gestalten.
Der vrb hessen fordert die Landesregierung auf, die Entscheidung zu überdenken und Maßnahmen zu ergreifen, die den Lehrkräfteberuf attraktiver machen. Dazu gehören verlässliche Entlastungsregelungen, eine realistische Bewertung der Arbeitsbelastung und eine nachhaltige Personalpolitik, die den Herausforderungen an Hessens Schulen gerecht wird.
Arzbach, den 05. Juni 2026