Position des vrb hessen: Gute Lehrkräfte brauchen eine gute Ausbildung – Qualität vor Geschwindigkeit

Der Verband Reale Bildung Hessen (vrb hessen) sieht die geplante Verkürzung des pädagogischen Vorbereitungsdienstes von 21 auf 18 Monate mit großer Sorge.

Dass die Landesregierung den Vorbereitungsdienst reformieren und den hohen Prüfungsdruck auf Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst reduzieren möchte, ist grundsätzlich zu begrüßen. Eine geringere Zahl benoteter Unterrichtsbesuche, eine stärkere Einbindung der Ausbildungsschulen und eine praxisnähere Gestaltung können sinnvolle Bausteine einer zeitgemäßen Lehrkräfteausbildung sein. Eine Verkürzung der Ausbildungszeit ist aus Sicht des vrb hessen jedoch der falsche Weg.

Bereits der VDL Hessen – Vorgängerverband des heutigen vrb hessen – hat sich über viele Jahre für einen 24-monatigen Vorbereitungsdienst ausgesprochen. Diese Forderung ist angesichts der heutigen Anforderungen an Lehrkräfte aktueller denn je.

Inklusion, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz, Demokratiebildung, individuelle Förderung, Diagnostik, Elternarbeit, Schulrecht, psychische Gesundheit von Schülerinnen und Schülern und zunehmend heterogene Lerngruppen haben das Anforderungsprofil nicht kleiner, sondern erheblich größer gemacht.

„Ausgerechnet in einer Zeit, in der die Anforderungen an junge Lehrkräfte immer komplexer werden, die Ausbildungszeit zu verkürzen, überzeugt uns nicht. Qualität in der Lehrkräftebildung braucht Zeit – und diese Zeit ist eine Investition in guten Unterricht.“ Claus Eschenauer, Landesvorsitzender des vrb hessen

Besonders kritisch bewertet der vrb hessen die Kombination aus kürzerer Ausbildungsdauer und gleichzeitig bis zu 16 Stunden eigenverantwortlichem Unterricht pro Woche. Mehr Unterricht bedeutet nicht automatisch mehr Ausbildung. Praxis ist unverzichtbar – sie muss aber begleitet, reflektiert und durch qualifizierte Ausbildung unterstützt werden. Nach den derzeitigen Plänen soll gleichzeitig die Zeit in den Ausbildungsseminaren reduziert werden.

Der vrb hessen warnt deshalb davor, den Lehrkräftemangel mittelbar durch eine höhere Unterrichtsverpflichtung von Lehrkräften im Vorbereitungsdienst abzufedern.

„Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sind keine Personalreserve zur Sicherung der Unterrichtsversorgung. Sie befinden sich in Ausbildung. Eigenverantwortlicher Unterricht ist ein wichtiger Teil dieser Ausbildung – er darf aber nicht deren eigentlichen Zweck überlagern.“ Kerstin Mück, stellv. Landesvorsitzender des vrb hessen

Dabei verschließt sich der vrb hessen einer Reform ausdrücklich nicht:

Weniger Prüfungsdruck, weniger inszenierte Unterrichtsbesuche und eine stärkere Würdigung der täglichen Arbeit an der Ausbildungsschule können richtige Schritte sein. Gerade die geplante stärkere Gewichtung des Schulgutachtens bietet die Chance, die tatsächliche Entwicklung einer angehenden Lehrkraft über einen längeren Zeitraum stärker zu berücksichtigen. Die geplante Reduzierung der benoteten Unterrichtsbesuche von bis zu 14 auf acht kann ebenfalls entlasten.

Entlastung darf jedoch nicht mit Verkürzung verwechselt werden. Der vrb hessen fordert deshalb nach wie vor:

  • 24 Monate Vorbereitungsdienst als qualitativ angemessenen Ausbildungszeitraum,
  • eine bewertungsfreie und geschützte Einführungsphase,
  • weniger benotete Unterrichtsbesuche und damit eine Reduzierung des permanenten Prüfungsdrucks,
  • ausreichend Zeit für Beratung, Reflexion und professionelle Begleitung,
  • eine angemessene Begrenzung des eigenverantwortlichen Unterrichts,
  • eine spürbare Entlastung und Stärkung der Mentorinnen und Mentoren an den Ausbildungsschulen sowie
  • eine moderne Ausbildung, die neue Anforderungen wie KI, Inklusion, Demokratiebildung, Schulrecht und psychische Gesundheit tatsächlich abbilden kann.

Der derzeitige Vorbereitungsdienst umfasst noch 21 Monate, darunter eine dreimonatige bewertungsfreie Einführungsphase. Der Gesetzentwurf ist noch nicht beschlossen; im Oktober soll eine Anhörung von Verbänden, Hochschulen und weiteren Fachleuten stattfinden. Für den vrb hessen gilt daher: Lehrkräfte schneller ins System zu bringen, darf nicht wichtiger sein, als sie bestmöglich auf ihren Beruf vorzubereiten. Gute Ausbildung braucht Zeit.

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